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gehtgarnichtEin Pflege- und Abrechnungsskandal jagt derzeit den anderen. Da rechnen mehrere osteuropäische Pflegedienste falsch ab und sorgen mit ihrem Handeln für laute Rufe über die Skandale in der Pflegebranche. Die Rufer sind unter anderem unser Bundesgesundheitsminister, Herr Gröhe: Klick! und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: Klick!

In Berlin wird eine Großrazzia in einem russischen Pflegedienst durchgeführt und wegen des Abrechnungsbetrugs werden mehr und bessere Kontrollen verlangt: Klick!

Doch sind die ausgeweiteten Kontrollen wirklich eine Lösung gegen Abrechnungsbetrug? Ich denke nein. Denn es ist ja nicht nur der strafrechtlich relevante Abrechnungsbetrug, der Pflege teuer macht. Auch der Verkauf von mehr Leistung als nötig oder das “Unterschieben” von Abtretungserklärungen, ohne über die Konsequenzen zu informieren, führt zu einer teuren Pflege, deren Gegenwert nicht immer beim Pflegebedürftigen ankommt.

Dabei wäre die Lösung – jenseits von mehr Kontrolle und Bürokratieaufwand – so einfach: ein konsequentes Fallmanagement für jeden Pflegebedürftigen.
Denn wenn jeder Pflegebedürftige einen eigenen, unabhängigen undversierten Pflegeberater oder Pflegebegleiter zur Seite hätte, könnten erhebliche Kosten eingespart werden.
Mein Vorschlag: Der Pflegebegleiter organisiert zu Beginn der Pflege gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen und den Beteiligten die notwendige Pflege. In den ersten drei Monaten kommt er einmal monatlich zu Besuch und überprüft, wie die Pflege läuft, ob sie ausreichend ist, ob Angehörige und / oder Freunde / Nachbarn die mithelfen möglicherweise an ihre Grenzen geraten und passt die Hilfe bei Bedarf systematisch an.
Hat sich das Hilfesystem etabliert, kommt der Pflegebegleiter routinemäßig einmal im Vierteljahr zur Prüfung der Versorgung und ggf. zur Anpassung. Er ist aber immer der erste Ansprechpartner für den Pflegebedürftigen und seine Familie, wenn es Probleme gibt.

So können sowohl Unter- wie Überversorgung vermieden werden, die pflegenden Angehörigen sind durch die Begleitung weitestgehend davor geschützt, in Überforderungssituationen zu geraten oder unseriösen Pflegeanbietern in die Hände zu fallen. Die Kosten der Pflege – insbesondere auch die erweiterten Kosten durch falsche und unsachgemäße Pflege oder Burnout der pflegenden Angehörigen – würden sinken.

Die aktuelle Gesetzgebung ermögliht dieses Vorgehen mit der Forderung nach Casemanagement bereits. Es wird nur nicht umgesetzt, da es den Kassen zu teuer ist, eine kontinuierliche, unabhängige Beratung und Begleitung der Pflegebedürftigen zu finanzieren. Aktuell rhalten nur Menschen eine solche Begleitung, denen es finanziell möglich ist, diese Begleitung privat zu bezahlen.

Da muss die Frage erlaubt sein, ob es wirklich Ziel der Verantwortlichen ist, die Situation für Pflegebedürftige und ihrer Familien zu verbessern. Denn eine Beschränkung auf stärkere Kontrollen der Dienste wird für die Pflegebedürftigen und ihre Familien keine Verbesserungen bringen.

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