Viele Angehörige opfern sich aus Liebe oder Pflichgefühl in der Pflege auf und können dadurch selbst krank werden. Oft merken Angehörige erst, dass sie sich mit der Pflege überfordern, wenn es schon recht spät ist.
Nutzen Sie deshalb Hilfsangebote, bevor es für Sie zu spät ist.
Pflegebedürftigkeit, z. B. durch eine Alzheimer-Erkrankung, schleichend auftritt, oder wie bei einem Schlaganfall das Leben plötzlich und unerwartet verändert – ein „Pflegefall“ in der Familie ist immer ein Schock. Spätestens wenn der Hilfebedarf offensichtlich wird, müssen folgende Fragen geklärt werden:
- Wer kümmert sich um alles?
- Wie wird die Pflege finanziert?
- Welche Beratungsangebote und Hilfen stehen zur Verfügung?
- Können wir / ich das schaffen?
Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen ist ein Einschnitt
Um einen Angehörigen zu pflegen, arbeiten manche Teilzeit oder geben ihre Berufstätigkeit ganz auf. Das finden viele auch selbstverständlich. Die Überforderung durch die Pflege bemerken Betroffene oft erst, wenn sie völlig erschöpft sind und Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen oder Depressionen ihre Gesundheit angreifen.
Jeder Dritte Pflegende wird durch die Belastung krank
Ihre Einstellung zur Pflege spielt eine große Rolle: Wenn Sie sich zur Pflege gezwungen fühlen, z. B. weil ein Heimplatz zu teuer erscheint oder Ihr Angehöriger professionelle Helfer ablehnt, erleben Sie die Belastungen stärker. Sie werden schneller krank.
Wenn Sie Ihren Partner oder Ihre Eltern aus Zuneigung so lange wie möglich selbst umsorgen wollen, können Sie mit der Belastung besser umgehen.
Seelische Belastungen wiegen schwer
Die seelischen Belastungen bei der Pflege eines demenzkranken Angehörigen führen schneller zu Beschwerden, wie z. B. Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Herzprobleme, als die körperlich belastende Versorgung eines Angehörigen mit z. B. einem Schlaganfall.
Wege aus der Not
Wenn Sie Überforderungssituationen vermeiden wollen, sollten Sie die Pflege eines Angehörigen nicht unbedarft übernehmen, sondern die Situation nüchtern anschauen. Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Wollen Sie die Pflege ehrlich übernehmen?
- Rechnen Sie damit, dass die Dauer der Pflege nicht absehbar ist?
- Wo sind Ihre Grenzen?
- Haben Sie Unterstützung in Ihrem Umfeld?
- Sind Sie bereit, bei Bedarf auch Ihren Beruf aufzugeben?
Unterstützung und Hilfe professioneller Anbieter hilft
Nutzen Sie die Möglichkeiten professioneller und ehrenamtlicher Helfer. Pflegedienste helfen vor allem bei der Grundversorgung, z. B. der Körperpflege, dem An- und Auskleiden und bei der Inkontinenzversorgung.
Tages- oder Kurzzeitpflegeeinrichtungen, nehmen Ihren Angehörigen tage- oder wochenweise auf und können Sie dadurch entlasten. So erhalten Sie sich selbst die Möglichkeit, Freundschaften zu pflegen, regelmäßig auszuspannen oder auch an Angehörigengruppen teilzunehmen.
Die ideale Lösung ist also ein „Versorgungsmix“ aus Profis, die bei der Körperpflege helfen, Ehrenamtlichen, die die Betreuung stundenweise übernehmen, und Nachbarn, die z. B. den Einkauf übernehmen oder bei kurzer Abwesenheit auch mal nach dem Rechten schauen.
Ihre Belastbarkeit ist begrenzt
Wenn Sie einen Angehörigen pflegen, können Sie immer auch Grenzerfahrungen machen: Als pflegender Angehöriger begegnen Sie Gefühlen wie z. B. Hilflosigkeit und Trauer, oder Situationen wie z. B. körperlicher Überforderung durch Heben und Tragen und persönliche Überforderung durch den Verlust von Freizeit und sozialen Kontakten.
Besonders belastend ist es, dass Sie nicht wissen können, wie lange die häusliche Pflege dauern und wie sie sich entwickeln wird.
Tatsache ist, dass ein ganzer Lebensabschnitt von der Pflege betroffen sein kann. Immerhin 20 % der Angehörigen pflegen mehr als 10 Jahre.
Wunsch, Pflicht und Überforderung
Auch Ihre Motivation für die Übernahme der Pflege beeinflusst den Pflegealltag. Wenn Sie die Pflege aus Angst vor dem Gerede der Nachbarn übernommen haben, geraten Sie unter Umständen unter einen hohen Druck, „es schaffen zu müssen“.
Haben Sie Ihrem Angehörigen das Versprechen, „Ich werde Dich nie in ein Heim bringen.“ gegeben, kann Ihnen dies zum Verhängnis werden.
Denn dann fällt es Ihnen wahrscheinlich schwer, sich eine Überbelastung einzugestehen.
Es gibt verschiedene Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger, die Sie nutzen können.
Beratung, welche Hilfen Ihnen zur Verfügung stehen, erhalten Sie nicht nur bei careKonzept, sondern auch bei Ihren kommunalen Pflegeberatungsstellen.
Ein Verzeichnis der Beratungsstellen nach Postleitzahlen finden Sie HIER.
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