Beratung bei Pflegebedürftigkeit und Hilfe im Widerspruchsverfahren

Erstattungs- und Rückerstattungsforderungen bis zu 4 Jahre möglich

Es kann passieren, dass Ihre Pflegekasse ihrer Beratungspflicht nach § 7 Abs. 2 SGB XI nicht nachkommt und Sie dadurch einen Nachteil – nämlich nicht in Anspruch genommene Leistungen – haben. Der Wortlaut des Absatzes 2 lautet:

Die Pflegekassen haben die Versicherten und ihre Angehörigen und Lebenspartner in den mit der Pflegebedürftigkeit zusammenhängenden Fragen, insbesondere über die Leistungen der Pflegekassen sowie über die Leistungen und Hilfen anderer Träger, zu unterrichten und zu beraten.

Da viele Kassen ihrer Beratungspflicht nicht umfassend nachkommen, erfahren manche pflegende Angehörige oft erst nach mehreren Jahren der Übernahme der Pflege, dass sie beispielsweise Anspruch auf Verhinderungspflege hatten.

Sollte es Ihnen so gehen und Sie haben erst in diesem Jahr erfahren, dass Sie beispielsweise in den letzten zwei Jahren als pflegender Angehöriger die Kosten für eine Verhinderungspflege gegenüber der Kasse hätten geltend machen können, können Sie diese Kosten für bis zu 4 Jahre von der Pflegekasse rückwirkend nachfordern.

Dies ergibt sich aus § 113 SGB X ( Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz):

Erstattungs- und Rückerstattungsansprüche verjähren in vier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem sie entstanden sind.

Da Kranken- und Pflegekassen Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, unterliegen sie auch den Vorgaben des SGB X. Für Sie heißt das, Sie können in diesem Jahr – falls Sie es bisher versäumt haben – noch Kosten für Kurzzeit- oder Verhinderungspflege rückwirkend bis zum Jahr 2008 beantragen. Dieser Anspruch ist noch nicht verjährt.
Wichtig ist, dass die Kosten, die Sie beantragen nachweislich in diesem vergangenen Zeitraum entstanden sind und beglichen wurden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Wenn Sie Fragen zum Widerspruch, zur Pflegeeinstufung, zur Organisation der häuslichen Pflege, zum Umgang mit Ihrem demenzerkrankten Angehörigen, zu Ihrer Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung oder anderen pflegerelevanten Themen haben, kann ich Ihnen bestimmt helfen. Ich berate Sie professionell und kostengünstig.
Also, sprechen Sie mich bitte an!

11 Kommentare

  1. CIEBA ANGELI CIEBA ANGELI
    6. Januar 2014    

    guten tag
    mein name ist angelika cieba ,ich pflege meine freundin seit 6 jahren zu hause pflegestufe3 jetzt muste sie ins senioren pflegeheim weil die demenz auch noch zu kam ich bin als betreuerin eingesetzt und nun meine frage ,ich erledige alle wege fahre mit ihr zu den ärzten heute zahnarzt ,wasche ihre wäsche und bade sie weil sie keinen an sich ran läst ,gibt es von der krankenkasse oder pflegekasse eine vergütung ich verfahre ja sehr viel sprit und meine bu-rente betrögt zur zeit 596,00 € meine freundin bekommt zur zeit nur ihre rente von 160,00 € was mit der grundsicherung von ihr passiert weis ich nocht nicht,könnte man mir einen rat geben?
    IM VORRAUS VIELEN DANK
    ANGELIKA
    BERLIN

    • 6. Januar 2014    

      Hallo Angelika,
      zunächst einmal: ich habe den Nachnamen und die E-Mailadresse aus diesem Posting entfernt, damit Deine Privatsphäre gewahrt bleibt.

      Wenn Deine Freundin eine Pflegestufe hat, dann kann das Pflegegeld zur Entschädigung Deiner Dienstleistungen eingesetzt werden. Wenn sie jetzt in ein Heim geht, dann wird die Rente und die Grundsicherung vom Heim eingenommen. Deine Freundin erhält dann nur noch ein Taschengeld. Damit kann sie aber keine weiten Sprünge machen.

      Es gibt für ehrenamtliche gesetzliche Betreuer (das sind die, die vom Gericht bestellt werden), eine Aufwandsentschädigung von 399 € im Jahr. Schau mal hier: http://pflegeberatung-aachen.de/ehrenamtliche-betreuer-erhalten-mehr-geld
      Viele Grüße
      Heike

  2. Alexander Alexander
    31. März 2014    

    Guten Morgen Heike, ich habe gerade den Beitrag gelesen das man eine Anspruch auf Verhindertenpflege Kostenerstattung hat. In der Tat wußte ich das nicht und bin erstaunt das die Krankenkasse einen das nicht wissen läßt. Ich selbst habe Pflegestufe zwei und bin seid 2005 voll erwerbsunfähig. Mein Problem war es bisher jedes Jahr eine Urlaubsvertretung für meine Pfleger zu besorgen. Gegen Barzahlung war es dann immer einfach jemanden zu finden, der die Aufgaben übernommen hat. Wie Du Dir vorstellen kannst war der ganze Spass recht teuer und es sind im laufe der Jahre einiges an meinem privaten ersparten drauf gegangen. Wie würdest Du in meinem Fall die ganze Sache angehen um vielleicht etwas von der Krankenkasse wieder zu bekommen. in der Hoffnung keine Fehlbitte getan zu haben verleibe ich mit ganz lieben Grüßen Alexander

  3. sabine sabine
    14. Januar 2015    

    Hallo,
    ich habe die letzte Zeit so viel über Verhinderungspflege gelesen und muss nun auch mal fragen.
    Es geht um unseren 14 jährigen leiblichen Sohn.
    Er hat SBA 70% G, B, H und bei der Pflegestufe hat er 0 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz.
    Das alles hat er wegen Depressionen, Angststörungen, Trennungsangst, psychischen Störungen usw.
    Er lässt niemanden Fremden an sich heran.
    Die letzten 3 Jahre war ich mit unserem 7 jährigen Pflegesohn je 6 Wochen zur Reha wegen Asthma. Die ersten beiden Jahre durfte unser großer noch als Begleitkind mit, letztes Jahr nich mehr. Die Trennung ist ihm sehr schwer gefallen. Betreut hat ihn in dieser Zeit mein Mann (also leibl Vater des Kindes). Mein Mann ist in Altersteilzeit und arbeitet nicht mehr.

    Bekannte sagten uns das wir in dieser Zeit in der ich nicht zu hause war, Verhinderungspflege hätten beantragen können.
    Ist das richtig ? Denn, dieses Jahr fahre ich wieder mit meinem Pflegesohn für 6 Wochen und unser großer, dann 15, muss wieder vom Vater betreut werden.
    Ohne Betreuung geht ds bei ihm wegen den Depressionen leider nicht. Er kann nicht alleine bleiben, da er sonst Panikattacken bekommt.
    Ich hoffe auf Antwort

    vg
    Sabine

    • 17. Januar 2015    

      Hallo Sabine,
      es ist richtig, dass für den Großen mit Pflegestufe ein Anspruch auf Verhinderungspflege besteht.
      Allerdings ist dadurch, dass der Vater, also ein Verwandter im 1. Grad die Pflege übernimmt, die Höhe der Erstattung auf die Höhe des Pflegegeldes beschränkt.

      Warum das so ist, können Sie im Gesetz nachlesen:
      „Wird die Pflege durch eine Pflegekraft übernommen , die mit dem Pflegebedürftigen bis zum 2. Grade verwandt oder verschwägert ist oder mit ihm in häuslicher Gemeinschaft lebt und nicht erwerbsmäßig pflegt, übernimmt die Pflegekasse den Betrag in Höhe des Pflegegeldes der jeweiligen Pflegestufe sowie die nachgewiesenen zusätzlichen Aufwendungen (z.B. Fahrkosten).“

      Wenn Ihr Mann auch als Pflegeperson im Gutachten zur Pflegeeinstufung stehen sollte, dann ist das übrigens keine Verhinderungspflege.
      Viele Grüße!

  4. Barbara Herzig Barbara Herzig
    26. November 2015    

    Hallo liebe Heike,
    folgende Fragen habe ich zur Verhinderungspflege und freue mich auf Ihre Antwort.
    Unsere Mutter ist 91 Jahre alt, hat Pflegestufe 2 seit 2013 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, vorher Stufe 1 seit 2007 .
    Mein Bruder wohnt vor Ort, er hat seit ihrer Pflegstufe die Betreuung für die Mutti. Seit 2013 ist sie im Pflegebett und 3 x am Tag kommt ein Pflegedienst ( waschen ec.). Das sind aber immer nur Minuten, außer morgens vielleicht 20 min., dieser Pflegedienst rechnet mit der Kasse ab. Alles andere, z.B. Essen zubereiten, Unterhaltung, Laufen mit Rollator oder Rollstuhl üben, spazieren gehen, Arztbesuche usw. muss nach Möglichkeit die Familie und Bekannte schaffen. Sie lebt allein in ihrer Häuslichkeit ,der Betreuer bleibt mein Bruder, er wohnt auf dem Nachbargrundstück und steht auch noch im Berufsleben. Ich wohne 270 km entfernt und fahre etwa alle 3 Wochen zu Mutti, um unter anderem auch meinen Bruder zu entlasten. Dafür habe ich von Mutti gegen Quittung Benzingeld bekommen über Jahre hinweg, denn ich konnte das nicht alleine schaffen.
    Über Verhinderungspflegegeld wurden wir nie von der Pflegekasse beraten oder aufgeklärt, das erfuhren wir zufällig durch andere Personen und auch, dass man dieses 4 Jahre rückwirkend einreichen kann. Mein Bruder fragte bei der Kasse telefonisch nach und erfuhr, dass für 2013 und 2014 der Pflegedienst diese Verhinderungspflege eingestrichen hat (hat es sich von Mutter unterschreiben lassen), also ohne unser Wissen, meine Mutter weis davon nichts mehr. Das haben wir für 2015 unterbunden und eine gute Freundin kümmert sich stundenweise um Mutter, so wird mein Bruder entlastet, ich fahre auch regelmäßig nach Hause, habe aber für mich noch keine Fahrkosten beantragt.
    Haben für 2015 stundenweise Verhinderungspflegezahlung für unsere Freundin beantragt und nach ewiger Nichtzahlung der Kasse und telefonischer Rückfrage endlich die Zahlung an unsere Bekannte ( nicht verwandt) erhalten.
    Da wir die Zahlungen meiner Mutter für das Benzingeld quittiert vorliegen haben, können wir dann rückwirkend 2011 und 2012 diese bei der Pflegekasse einreichen? Müssen wir zusätzlich rückwirkend einen Antrag stellen, da wir ja nie Aufklärung erhalten haben, vielleicht mit Paragrafen argumentieren? Oder reicht es, einfach die Quittungen einzureichen mit oder ohne Argumentation? Das Geld steht ja der Mutti zu, denn sie hat gezahlt.
    Wie viel wird eigentlich pro km gezahlt? habe da unterschiedliche Antworten gehört , 20ct oder 30ct? Habe ich eigentlich außer den Fahrkosten noch einen anderen Anspruch auf Leistung, ohne dass meiner Mutter rückwirkend irgendwas gekürzt wird? – da ja der Pflegedienst alles andere abrechnet-.
    Nun habe ich ja die Quittungen meiner Mutter, wenn aber die Fahrkosten eigentlich höher gewesen wäre, als quittiert, bekommt man diese Differenz auch rückwirkend erstattet? Wie müsste man das beantragen?
    Dieses Jahr bleibt für meine Fahrkosten kaum was übrig, da ja unsere Bekannte sich viel um Mutter kümmert und ich glaube mit 10 € die Stunde ist sie nicht überbezahlt. Wie viel darf man überhaupt pro Stunde für Ersatzpflege berechnen?
    Ich würde erst auf Ihre Antwort warten, bevor ich irgendwas unternehme, auch, falls es notwendig ist, bei der Pflegekasse anzurufen. Leider gibt es bei dieser Kasse keine direkten Ansprechpartner mehr, nur eine Sammelnummer und immer ist jemand anderes am Telefon, das finde ich sehr schade. Genauso sagte man uns, dass es ab diesem Jahr auch keine persönliche *Vor Ort Sprechstunde* mehr gäbe.
    Ich danke Ihnen, dass ich die Möglichkeit habe, diese Fragen stellen zu dürfen und erwarte Ihre Antwort mit Freude.
    PS: Ich bin seit 2015 Rentner, vorher Erwerbsminderungsrentner.

    mit freundlichen Grüßen
    Barbara

    • 29. November 2015    

      Hallo Brabara,
      die Leistung „Verhinderungspflege“ verfällt, wenn man sie nicht im laufenden Jahr in Anspruch nimmt. Deshalb kann ein rückwirkender Antrag nur funktionieren, wenn Sie ausführlich begründen, weshalb Sie (Ihre Mutter) erst jetzt die Erstattung geltend machen.
      Für die Erstattung muss ein Nachweis vorliegen, dass eine Auslage erfolgt ist (z. B. Quittung).

      Als Kilometergeld wird gemeinhin der vom Finanzamt anerkannte Satz von 0,30 € / km genommen.
      Die Kasse ist verpflichtet, Ihnen eine kostenlose und neutrale Pflegeberatung zur Verfügung zu stellen.
      Viel Erfolg
      Heike

      PS.: Infos zur rückwirkenden Leistung erhalten Sie in diesem Artikel: http://pflegeberatung-aachen.de/erstattungs-und-ruckerstattungsforderungen-bis-zu-4-jahre-moglch

  5. Claudia Ketelhut Claudia Ketelhut
    27. Mai 2016    

    Hallo Heike,
    Ich habe ein Anliegen und hoffe sie können mir weiter helfen.
    Mein Papa ist am 16.5.16 verstorben , erst als kurz vor seinem Tod ein pflegedienst die Pflege übernehmen musste erfuhren wir von der verhinderungspflege, der pflegedienst beantragte diese um davon bezahlt werden zu können. Der pflegedienst war aber nur 12 Tage im Einsatz da mein Vater dann leider verstarb , die Rechnung belief sich auf knapp 600 € der Rest also sprich ca 1000€ aus diesem Topf der verhinderungspflege steht der uns bzw. Meiner Mutter noch zu?
    Und was ist mit den Jahren zuvor….Kann meine Mutter das noch nachträglich geltend machen auch wenn mein Vater jetzt verstorben ist?
    Für eine schnelle Antwort wäre ich sehr dankbar
    LG C. Ketelhut

    • 28. Mai 2016    

      Hallo Claudia,
      die Ansprüche des Verstorbenen gehen auf die bzw. den Erben über. Das heißt, Ihre Mutter kann die Ansprüche rückwirkend geltend machen, wenn die Bedingungen aus dem obigen Beitrag erfüllt sind und sie die entstandenen Kosten nachweisen kann.
      Viel erfolg!

      • Claudia Ketelhut Claudia Ketelhut
        28. Mai 2016    

        Danke für die schnelle Antwort, wenn meine Mutter krank war oder einfach mal raus musste (sie fuhr dann immer zu meiner Schwester nach NRW) betreute die Freundin meines Neffen unseren Vater, wie soll sie das denn belegen?
        LG Claudia

        • 28. Mai 2016    

          Nun ja, um Kosten erstattet zu bekommen, müssen sie ja auch entstanden sein.
          Die Verhinderungspflege ist eine „Erstattungsleistung“ und steht nur denjenigen zu, denen auch Kosten entstanden sind.
          Hat der Neffe Geld bekommen, kann er das zum Zeitpunkt des Erhalts mittels einer Quittung oder später per eidesstattlicher Versicherung bestätigen.

No Pings Yet

  1. Wann die Kasse rückwirkend zahlen muss on 9. September 2014 at 09:11

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Der schnelle Kontakt

Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie mich unverbindlich an 0241 - 8 87 42 64 oder schreiben Sie mir Ihre Anfrage über das Kontaktformular

Archiv

Statistik

  • 755739Besucher gesamt:
  • 48Besucher heute:
  • 263Besucher gestern:
  • 6Besucher momentan online:

Werbung